Francesco Ostinato
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Im Haushalt von Francesco Durante
lebte eine recht entfernte Verwandte,
die sich ganz einfach »Rosi« nannte,
obwohl man sie in Napoli
nur als Durantes Tante kannte.
Die nämliche Rosi, mithin die Tante
kam einst, so hörte man von Durante,
mitsamt ihre Mutter aus Alicante,
indessen der Vater, der Unbekannte,
allmonatlich Apanagen sandte
– man sagte: ein Herr sei’s von höherm Standte,
der einstmals der Mutter der Rosi nachránnte,
bis diese – gewissermaßen Durantes Großtante –,
dem glühenden Manne aus Alicante
verstohlen den Ort und die Stunde nannte,
wo man sich abends rendezvouzte,
nachdem man sich inzwischen duzte,
und Rosi, wie sie selbst sich nannte,
mit andern Worten: die heutige Tante,
in einem Haine bei Alicante
… entstante …
Sie trennten sich bald. Zur Vermeidung der Schante
verschwand guter Hoffnung aus Alicante
das Mädchen und ging gleich ganz aus dem Lande,
hinweg übers Meer
die Kreuz und Quer,
bevor sie am Ende Francesco Durante,
in Neapel wiedererkannte
und samt ihrer Rosi, der heutigen Tante,
quartierbegehrlich sich an ihn wandte.
Darauf ging sie nach Auskunft Durantes
recht schnell ein weiteres Mal außer Landes:
Vermutlich zurück nach Alicante
wo sie sich an ihren Karli wandte
der fortan Alimente sandte.
Die Tochter wuchs und ward zur Tante.
Führte als solche Francesco Durante
den Haushalt, was ihm die Arbeit entspannte
und viel schöne Töne, beliebte, bekannte,
entlockte zum Singen und Saitenspiel
in seinem berühmten barocken Stil,
von dem man noch heute im ganzen Land
ehrfürchtig flüstert: Das ist allerhand,
wie er, der verehrte Franceso Durante
die fleißige Rosi – scusate, die Tante –
den Passamezzo, die Courante
nach allen Regeln der Kunst gelehrt
und niemals sich über dieselbe beschwert,
wenn sie bei Gigue oder Allemande
– ich meine die Tante aus Alicante,
die äußerst geschmeidige, elegante –
sich tanzend in seinen Armen verwandte.
Wenn dieses geschah, sprach Francesco Durante
die liebreichen Worte: » o grazie tante! «
