Lübecker Tunder-Wetter
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Der alte Franz Tunder
Vollbrachte Wunder
Auf den Emporen,
Im Lübecker Dom.
Saß er da drob’m
Gedankenverloren,
Um seinen Herrn
In Tönen zu lob’m,
Begann die Gemeinde
Begeistert zu tob’m,
Indes die Kalkanten
Die Ruhe nicht kannten:
Sie traten die Bälge,
Es pfiffen die Pfeifen,
Man hörte die Lade
Knirschend schleifen,
Von Subbaß bis Sesquialtera
Waren alle Register da
Mit Luft zu versehen,
Damit sie gehen
Und alle Welt sich wundert‘,
Wie es in Lübeck tundert.
So dachte manch einer:
Der Tunder Franz,
Der ist kein Kleiner,
Und keiner kann’s
Wie er – dort droben
Auf der Empore
Den HErren loben.
Doch später dann
Bei Buxtehude,
Dem Wundermann,
Da heulte die Bude,
Daß selbst JS Bach
Von diesem Krach
In Arnstadt vernahm,
Per pedes hinauf
Nach Lübeck kam,
Zu hören die Lieder
Und die Abendmusicke …
Bald drauf ging er wieder,
Denn die greuliche Zicke,
Die Buxtehudes Tochter war,
vertrieb ihn und manchen der Schülerschar.
Er kehrte also – zu seinem Glücke –
Ganz hurtig in die Heimat zurücke:
Von Buxtehude erzählt‘ er da gern,
Auch gern von dem andern, dem älteren Herrn
Mit Namen Franz Tunder,
Dem orgelnden Wunder …
Von Jungfer B. erzählte er nicht.
Kein Wunder – bei der ihrem Gesicht.
