Für feineres Fernsehen

Wieder hab’ ich mir eine Abfuhr geholt. Als treuer, langjähriger Leser meiner Programmzeitschrift, der ich doch nur helfen wollte. Denn es hatte mich gestört, daß die Redaktion, die immer die seltsamen Spielfilm-Bewertungen und -Erklärungen liefert, so gar nicht die Wahrheit schreibt. Das nennt man, wenn ich richtig nachgesehen habe: »Euphemismus« (»wenn man was schöner sagt, als wie es tut«, hat das Benno Berghammer mal erklärt).

Deshalb habe ich also vorgeschlagen, daß man hinten im Heft, wo meistens sowieso die Witze und die Rätselauflösungen stehen, so was wie eine »kakopheministische« Richtigstellung abdrucken sollte, die die vorigen Beschreibungen übersetzt.

Also etwa so:

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atmosphärisch dicht sterbenslangweilig, in Grautönen und mit einsilbigen Dialogen
stimmig und überzeugend am Ende kennt sich keiner mehr aus
erschreckend realistisch Fäkalsprache und düstere Blicke aus verregneten Fenstern
einfühlsam, sensibel tränenselig
schrill saudoof, aber laut und ordinär
mit leichter Hand in 90 Minuten dreimal geschmunzelt, und das nur über ein munteres Haustier
lebensnah und voller Erfahrungen im Hausflur stapelt sich der Müll, im Kühlschrank langweilt sich ein halbes Stück Butter

 
 
Vor allem versuche ich immer, die »aufrüttelnd direkten« Produktionen zu verstehen: Ist das wie dem James Bond sein Martini – oder doch wieder nur ein Stück, bei dem sich alle anbrüllen, bis der Nachspann anfängt, und ich hinterher immer noch nicht weiß, warum?

Völlig daneben lag allerdings neulich der redaktionelle Vorkoster, als er (oder sie?) ein frühes Drama mit Brigit Bardot vorstellen sollte: »Eindringlich« stand da, und weil die BB mitspielte, dachte ich, das lohnt sich vielleicht doch mal. Aber da hatte ich mir doch ganz was anderes drunter vorgestellt.

Deshalb habe ich dann auch meinen Brief geschrieben. Aber glauben Sie, es wäre eine Antwort gekommen? Pah …