Redaktors Leid
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Die Enttäuschung des Nachrichtenredakteurs einer lokalen Wochenzeitung darüber, daß der mutmaßliche Terrorist nicht aus seinem Einzugsgebiet kam, wurde dadurch noch vermehrt, daß auch die Schreckensmeldung von der Mutter mit den drei Kindern, die durch ihren Mann in den Wahnsinn und vor die Schienen der S-Bahn getrieben wurde, in dieser Schärfe nicht veröffentlicht werden konnte. Die Frau, von der die Rede war, hatte keine Kinder, war ledig und hatte außerdem nur vergessen, eine gültige Fahrkarte zu lösen, weshalb sie der Kontrolleur an der nächstmöglichen Station aufgefordert hatte, das Versäumte nachzuholen. Darauf war sie ausgestiegen, ohne sich zu vergewissern, ob sie das passende Kleingeld für den defekten Automaten parat hatte. Am Ende war der Zug ohne sie weitergefahren, und sie hatte in ihrem begreiflichen Ärger ihren Schirm auf die Geleise geworfen. Doch mal ehrlich, wer druckt sowas?
